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Lob der Stadt

Ein Paar Scheinwerfer, zwei Rücklichter, das trübe Licht eines Bauernhofes, der Rest ist Dunkelheit.

Novemberabende musst du in der Stadt verbringen. Lichterketten schälen sich aus dem Nebel, ganze Hänge sind illuminiert, allerortens Farben in einer Zahl und Raffinesse, die du vergessen hattest, das Leuchten ein Staunen. Licht reflektiert auf dem regennassen Boden, an Glas, Stahl und Chrom, an Sandsteinfassaden, die dem Auge mit jedem Schritt Neues bieten, ein Kaleidoskop menschengeschaffener Schönheit aus einer Ära der Fußgänger. Durch das vornehme Holz der Raucherbar nach oben, ein Glas Wein, dessen Preis keine Rolle spielt, auf weißem Leinen und der Blick hinab auf die Gasse. Später beim Gang durch vertraute Straßen das Wunder grün belaubter Bäume und Kerzenschein hinter Glasfassaden, um das sich Menschen versammeln, Schatten im Glück, und ich erinnere mich an Küsse, die hier ihren Anfang oder ihr Ende nahmen. Und dann irgendwann stehe ich in der Küche, die mir so winzig vorkommt und wo ich doch so wunderbare Menschen zu so wunderbaren Abenden um mich hatte und nie ist mir Stuttgart so schön erschienen wie an diesem Abend.

Zuhause zwei Rücklichter auf der Landstraße und der Schrei eines sterbenden Tieres in der Finsternis.

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Fensterblicke

Sterne am Himmel, Hornissen im Haus. Noch ist es später August.

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Solch ein Tag, an dem man Herrndorf und Houellebecq kauft, ganz spontan, als ich aus dem Bus hinaus in die Sonne trete. Und später ein Rätsel: die Vorzeichen nach der Lektüre genau umgedreht.

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Die Kühe vor dem Fenster grasen unbeirrt, über den Fichtenwipfeln ziehen Nebelfetzen, ein Vogel stemmt sich gegen den Herbstwind. Zeit, die erste Holzdecke abzuschmirgeln. Zeit für Uriah Heep und einen starken Kaffee und Taten.

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Das rotlackierte Cockpit eines Segelflugzeugs, ein Elektromotor, ein KfZ-Nummernschild – ich weiß nicht, wie das Modell heißt. Leichtbau und eine Scheibe aus finnischem Glas, dahinter die Nacht, als wir den Hügel hinabrollen, durchs Dorf und weiter zum Bahnhof. Der Gast immer zwischen der Sorge, von einem Auto überrollt zu werden, und der Vorfreude, sicher gleich in den Himmel aufzusteigen.

Wir sind dann doch auf dem Boden geblieben. Mein Schritt aber war danach beschwingter.

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Pastellfarben über der schwarzen Linie des Horizonts. Ins Tintenblau der Höhe ziehen zwei Flugzeuge Parallelen. Erste Sterne, noch zaghaft vor dem roten Blinken eines Windrades. Der Grund bereits Nacht, Wiesen und Wälder untrennbar zu Schwarz zerflossen.

Aprikosen_Fenster_Sommer

Eine Erinnerung an den Sommer