Archiv für den Monat März 2019

Einem Fluss entstiegen

Und dann die Reinheit der Apfelblüten, zart das Birkenlaub, im Windschatten warm genug für kurze Ärmel, während zuhause ein Junge barfüßig das Eis am Rande eines Weihers bricht. Die Berge verschleiert von Dunst, hingehaucht, blass auch dann noch, als sich der Zug zwischen die ersten Höhen schiebt.

Das Gleis schmiegt sich an die Biegung des Flusses, trennt sich, vereinigt sich wieder. Möwen fliegen über den Bergwassern aus geschmolzenem Eis – Licht über Kieseln.

Wie gerne würde ich jetzt in diesen Fluss steigen! Und erneuert, neugeboren, aus seiner Kälte steigen. Ich erhebe mich, Wasserperlen funkeln auf der zitternden Haut, und ich setze meine Reise fort in neue Länder, furchtlos und klaren Auges. Eine Hand schiebt sich in die meine und ich erinnere mich, diesem Fluss bin ich gestern erst entstiegen.

Am Abend werden wir am anderen Ende dieses Gebirges unser Heim erreichen.

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Trastevere

Gestern quoll Wasser aus dem Untergrund, klares, kaltes Wasser, das sich über das Kopfsteinpflaster ergoss. Das Leben drumherum ging ungestört weiter, die noch geöffneten Läden in den Altstadthäusern, die Bars, Bistros, Restaurants im warmen Lampenlicht, das eine beinahe weihnachtliche Milde verbindet mit der Glückseligkeit des mediterranen Lebens auf der Straße. Nur ein städtischer Mitarbeiter steht vor seinem Dienstwagen und blickt versonnen auf das strömende Wasser und wartet auf den Bautrupp.

Heute Morgen ist der Schaden behoben, ein Warnschild steht im Weg, zwei Quadratmeter Teer glänzen zwischen dem Kopfsteinpflaster, Notwendigkeit und ästhetischer Fehlgriff zugleich wie Schorf auf der Haut.

Ein Trupp von Kanalarbeitern, graugewandet und mit Gelassenheit gesegnet, zieht durch das Viertel und prüft alle Wasserverschlüsse unter den Metallabdeckungen der Gassen. Ein Koch quert die Straße, lehnt sich auf der Sonnenseite an ein von Graffiti gezeichnetes Holztor einer vergangenen Zeit und zündet sich eine Zigarette an. Steifbeinig gesellt sich ein Gitarrenträger hinzu, es folgt ein höflicher Austausch, dann rückt der Koch zur Seite, raucht an der terrakottafarbenen Wand weiter und der Spielmann holt für die Touristen sein Instrument heraus.

Da aber stellt der Kellner das Tässchen auf den Tisch, der Gast hebt sie an die Lippen, schließt die Augen und genießt die Bitterkeit des süßen Lebens.

Leipzig Süd

Der Guss der Milch aus dem Gelenk der beringten Hand in das Rund der Kaffeetasse.

Buchweizentarte auf weißem Marmor, der Espresso Perfektion in der angemessenen Schlichtheit seiner Tasse. Tulsi-Kräutertee und Eisenkraut, beides duftend, im einen Kännchen senkt sich das Teesieb nicht ganz, im anderen das Kraut nicht, das an der Oberfläche schwimmt, bis der Löffel es hineintunkt ins heiße Wasser.

Cafés als Ruhepole, in denen es mir gelingt, was sonst schwierig: zweckfrei nichts zu tun und mich selbst dabei zu ertragen.

Blauer Glanz der Dämmerung.